20. November 2017

6 Tipps für Slam-Neulinge in Hamburg

Hamburg hat so viele Slams wie Regentage im Jahr. Mit zahlreichen guten Slammenden und großen Slams in Theaterhäusern und in der Elbphilharmonie hat die Stadt viel zu bieten. Das macht es manchmal unübersichtlich und schwierig für Slam-Neulinge. Hier kommen 6 Tipps, wie man den Slam-Wahnsinn in Hamburg übersteht und welche Slams besonders für Anfänger*innen Gold wert sind.

 

1. Wo kann ich auftreten?

Die Hauptveranstaltenden in Hamburg sind Kampf der Künste und der Verein Hansepoesie. Des Weiteren organisieren Arne Poeck, Melanie Sengbusch, Sven Kamin und viele weitere Personen Poetry Slams.

Generell kannst du jeden Veranstaltenden fragen, ob er/sie dich auf die Bühne lässt. Beachte aber Folgendes: Slams, die in Theaterhäusern, größeren Clubs (wie dem Übel und Gefährlich) oder gar in Hörsälen oder in der Elbphilharmonie stattfinden, sind reine Einladungsslams und nichts für Neulinge. Das bedeutet, dass es ein gebuchtes Line-Up aus Slammenden aus dem deutschsprachigen Raum gibt.

 

2. Hilfe! Die anderen sind alle so gut!

Stell dir vor, es gibt Ligen, im Poetry Slam wie im Fußball. Also eine erste Liga, eine zweite Liga,… In Hamburg lassen sich etwa 85% der Auftretenden in die erste Liga einordnen. Wenn du selbst in der dritten Liga bist und dann mit den Leuten aus der ersten Liga rumhängst und auftrittst, dann verzerrt das deine Perspektive enorm. Alle haben in der dritten Liga angefangen. Alle Auftretenden haben lange an sich gearbeitet und waren am Anfang längst nicht so gut, wie sie es heute sind. Du lernst viel von ihnen, auch das Verlieren. Die Slam-Szene ist sehr offen und vielleicht sagt dir auch jemand, was du besser machen kannst. Trau dich ruhig, nach Tipps zu fragen!

 

3. Wie kann ich besser werden?

Viele Slammende haben sehr viel Zeit und Arbeit gebraucht, bis sie so gut geworden sind. Sie haben immer wieder neue Texte geschrieben, verschiedene Sachen auf der Bühne ausprobiert, sowohl textlich als auch stimmlich, sie haben mit Mimik und Gestik experimentiert. Das ist auch das, was ich dir raten kann: Probier’ dich aus. Was gefällt dir? Was gefällt dir nicht? Fühlst du dich so wohl?

Einige Slamveranstaltende geben auch Workshops, z.B. für Schulklassen. Du kannst auch einen Veranstaltenden deines Vertrauens fragen, ob er/sie das macht und dich mal mitnehmen würde.

 

4. Versteck dich nicht und sei so gesellig, wie es dir guttut!

Nachdem du schon weißt, dass die anderen Slammenden auch nur Menschen sind, ist die Info, dass du dich auf keinen Fall in der Ecke verstecken musst, sicher auch nichts Neues. Vielleicht kennst du beim Slam X niemanden, vielleicht kennst du aber auch schon welche vom Slam Y. Sprich einfach mit den anderen Slammenden. Frag, ob sie gut hergekommen sind, was sie sonst so machen. Verstell dich aber nicht, das ist gar nicht nötig.

Eigentlich gibt es immer Freigetränke. Hol dir einfach das Getränk, das du magst und stoße mit den anderen an. Manchmal kommt es vor, dass einige nach der Veranstaltung noch gemeinsam in eine Bar gehen oder etwas unternehmen möchten. Hier kannst du dich ihnen ruhig anschließen. Mache aber nichts, womit du dich nicht wohl fühlst! Wenn du nach einem Slam müde bist und nach Hause willst – feel free.

 

5. Alles nur nach deinem Willen!

Der vorletzte Tipp ist zugleich der wichtigste Tipp. Alles nur nach deinem Willen! Handhabe Slams so, wie du dich wohl fühlst. Damit ist einerseits die Häufigkeit deiner Auftritte gemeint: Mache nicht mehr Termine ab, als dein Zeitplan und deine Energie es zulassen.

Aber auch der Wettbewerb an sich ist gemeint. Wenn dich andere Slammende einschüchtern und du erst nach ihnen dran bist, kannst du dich entweder in den Backstage zurückziehen oder kurz an die frische Luft gehen. Auch andere Auftretende gehen zwischendurch mal raus, um abzuschalten. Vielleicht könnt ihr das auch zusammen tun.

Dazu kommt, dass Gewinnen nicht alles ist. Das lässt sich leicht sagen, denn Slam ist immer noch ein Wettbewerb und nie zu gewinnen kann auch frustrierend sein. Aber es geht nicht um die Punkte, sondern um die Poeten und Poetinnen. Es ist doch viel schöner, einen tollen Abend mit Freunden und Freundinnen, Spaß und Poesie zu verbringen, als dich zu ärgern, dass jemand anderes gewonnen hat. Das wird alles schon. Hab Spaß!

 

6. Welche Veranstaltungen sind für Neulinge besonders gut geeignet?

Es gibt fünf Slams in Hamburg und Umgebung, die ich jedem Neuling in Hamburg ans Herz legen würde. Die Reihenfolge ist rein zufällig, denn diese Veranstaltungen sind alle sehr schön.

  • Die Jägerschlacht findet am ersten und dritten Mittwoch im Monat im Grünen Jäger statt. Hinnerk Köhn, der euch mit Wort und Tat zur Seite steht, kommt manchmal vorbei. Hannes Maaß führt gewohnt lässig und entspannt durch den Abend, der stets durch ein begeistertes Publikum und viele Neulinge besticht. Anmelden könnt ihr euch bei Kampf der Künste.

 

  • Slam The Pony findet am dritten Freitag im Monat im Haus 73 statt. Hier kann man ein liebevoll gebasteltes Papp-Pony von Mona Harry gewinnen, die auch durch den Abend führt. Oftmals sitzt man hier auf einem der gemütlichen Sofas direkt auf der Bühne und lauscht neugierig den anderen Poeten und Poetinnen. Jedes Mal ist einzigartig, aber immer ist es sehr gut. Mehr Infos gibt es bei Hansepoesie.

 

  • Wedel Schädel Slam: Man nehme eine Truppe gut gelaunte, in Hamburg wohnende Slammende, setze diese in die S1 und lasse sie bis an die Endstation Wedel fahren. Dort erwartet einen im BWC Wedel der stets ebenso gut gelaunten und sehr unterstützende Moderator Sven Kamin. Der unregelmäßig stattfindende Slam besticht durch die Gäste, die gespannt zuhören und nebenbei Speisen des Hauses verzehren, durch unendlich viele Freigetränke für die Auftretenden und die verdammt leckere Pizza in der Pause und am Ende der Veranstaltung. Der weite Weg lohnt sich wirklich immer! Mehr Infos gibt es hier.

 

  • Hunting Words: Am 3. Donnerstag im Monat sieht man einige Menschen mit Texten von Altona zur Mathilde-Bar in Ottensen pilgern. Dort führen Melanie Sengbusch und Helene Bockhorst gemütlich durch den Abend, der durch die Abstimmung mit irgendwelchen Gegenständen in Namensgläsern besonders ist. In der kleinen Bar gibt es genug Luft zum Atmen, einen kleinen Platz mit Mikrofon und eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre. Mehr Infos findet man hier.

 

  • Wort für Wort – der Bargteheider Poetry Slam: Auch hier lohnt sich die Fahrt, um kurzzeitig am Donnerstagabend Hamburg zu verlassen. Bereits auf der Fahrt kannst du die anderen Personen kennenlernen. Gerade die wechselnden Orte wie Blumenläden, Feuerwehr oder Tanzschule machen den Slam besonders. Lennart Hamann und Hannes Maaß machen den Abend unvergesslich, selbst wenn es aus Kübeln schüttet und deswegen die gesamte Akustik im Blumenladen umgestellt werden muss… Mehr Infos gibt es hier.